Gelbbauchunke

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Gelbbauchunke

Gefährdung der Gelbbauchunke
Der Status der Gelbbauchunke wird für Baden-Württemberg als ungünstig bis unzureichend eingestuft. Als Pionierart besiedelt die Gelbbauchunke v.a. temporäre Klein- und Kleinstgewässer und ist auf eine entsprechende Habitatdynamik angewiesen. In unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft findet eine solche Dynamik jedoch kaum noch statt. Soweit einzelne geeignete Habitate noch bestehen, fehlt es an verbindenden „Trittsteinen“, die eine ausreichende Vernetzung der Populationen ermöglichen. In der breiten Öffentlichkeit wird die Art meist gar nicht oder nur in geringem Maße wahrgenommen. Potentiellen lokalen oder regionalen Akteuren fehlt das artspezielle Wissen, um Verbesserungsmaßnahmen effektiv durchführen zu können. Nicht zuletzt fehlt es im Projektgebiet an einer übergeordneten Fachkonzeption, die den prioritären Handlungsbedarf aufzeigt und räumliche Aktionsschwerpunkte vorgibt. Zur Vernetzung der noch vorhandenen Teilpopulationen sind daher viele Kleinstbiotope in der Kulturlandschaft notwendig. Diese in ausreichender Zahl zu schaffen und zu erhalten, ist allein für die Naturschutzverwaltung nicht möglich. Vielmehr bedarf der Schutz der Gelbbauchunke einer ständigen Betreuung und muss großflächig angedacht werden. Bisher gibt es keine flächendeckende Vernetzungskonzeption für die Gelbbauchunke im Projektgebiet, die die Arbeit für die Art in ihrer Zielsetzung optimiert. Die Gelbbauchunke wird in der Öffentlichkeit derzeit oft nur im Konfliktfall bei Eingriffen in den Naturhaushalt als „störend“ wahrgenommen. Hier gilt es langfristig ein positives Image aufzubauen.

Maßnahmenpaket Gelbbauchunke
Durch die Erstellung einer Vernetzungskonzeption sollen bestehende Daten zusammengeführt und aktualisiert werden. Sie dient als
Arbeitsgrundlage für eine zielgerichtete Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen während der Projektlaufzeit und darüber hinaus. Die Ausbildung von Gelbbauchunken-Coachs und ihre Ausstattung mit entsprechender Ausrüstung ist ein weiterer Baustein. Sie legen als lokale Umsetzer konkret an 30 Standorten Laichgewässer an. Durch Führungen soll das Image der Art in der Öffentlichkeit verbessert werden.
Folgende drei Maßnahmen werden durchgeführt:

Maßnahme 1: A.1 Vernetzungskonzeption
Mit der Erstellung der Vernetzungskonzeption wurde die Arbeitsgruppe Amphibien & Reptilien Biotopschutz in Baden-Württemberg (ABS) von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg beauftragt.
Zeitplan: Dezember 2011 bis Juli 2012
In einem ersten Schritt werden Daten ausgewertet und offene Fragen durch Nachbegehungen vor Ort geklärt. Darauf aufbauend wird die Vernetzungskonzeption für die Gelbbauchunke mit einer Prioritätenliste zur Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen erstellt.
Zur Umsetzung der konkreten Maßnahmen, wie der Anlage von Laichgewässern für die Gelbbauchunke in Maßnahme „C.2 Anlage und Pflege von neuen Kleinlebensräumen für die Gelbbauchunke (Bombina variegata, FFH-Artencode 1193)", ist eine naturschutzfachlich geprüfte und tragfähige Vernetzungskonzeption notwendig, an der sich die Coachs orientieren können, um zielgerichtet Schwerpunktpopulationen im Projektgebiet zu vernetzen und bestehende defizitäre Habitate zu optimieren.
Erwartet wird eine naturschutzfachlich überprüfte Vorplanung als Handlungsleitfaden zur effizienten Umsetzung von Maßnahmen in C.2 wie Aufwertungsmaßnahmen einzelner Lebensräume (Hotspots) und Vernetzungskonzeption durch die Coachs oder interessierte Dritte.

Maßnahme 2: C.2 Anlage und Pflege von neuen Kleinlebensräumen
Der FFH-Erhaltungszustand der Gelbbauchunke wird für Baden-Württemberg als ungünstig bis unzureichend eingestuft. Dies trifft auch für das Projektgebiet zu. Während in den Wäldern im LIFE-Gebiet geeignete Strukturen überwiegend noch in ausreichender Zahl bestehen, werden sie im Offenland immer seltener. Zur Vernetzung vorhandener Schwerpunktpopulationen sind daher viele Kleinstbiotope in der Kulturlandschaft notwendig.
Das Maßnahmenpaket für die Gelbbauchunke besteht aus A.1, C.2 und D.2. In A.1 werden
bestehende Daten aktualisiert und zu einer auf die konkreten örtlichen Verhältnisse abgestimmten Vernetzungskonzeption zusammengeführt. Der zweite Baustein ist die Ausbildung von Gelbbauchunken-Coachs (D.2). Nach ihrer Ausbildung legen die ehrenamtlich tätigen Coachs mit professioneller Unterstützung an konkret 30 Standorten Laichgewässer in den FFH-Gebieten an. Grundlage sind die in Vorstudie A.1 erarbeiteten Karten für 30 Standorte der Laichgewässer in den FFH-Gebieten auf landeseigenen oder kommunalen Flächen. Die Zustimmung für die Anlage der Laichgewässer wird vor deren Umsetzung beim Land oder der betroffenen Kommune eingeholt.

Pro Standort sollte das Ziel 5 bis 10 Tümpel sein - je nach Flächenverfügbarkeit. Die Anlage der Laichgewässer soll sowohl durch Handarbeiten der Coachs sowie ergänzende maschinelle Anlage von Laichgewässern durch Bagger bzw. landwirtschaftliche Maschinen der örtlichen Landwirte oder Bauunternehmer erfolgen. Pro Standort werden mindestens ein bis zwei Tümpel mit dem Bagger etc. ausgehoben und die kleineren im Umfeld von Hand. Die Ausrüstung der Teams mit Arbeitsgeräten für die Handarbeiten wird vom Projekt gestellt. Vor Ort soll das Coach-Team die Ausbaggerung naturschutzfachlich begleiten und anweisen, um dem "Baggerfahrer" die genauen Standorte anzuzeigen.
Nicht alle Tümpel sollten dabei in einem Jahr angelegt werden, sondern im Laufe der Projektlaufzeit.

Maßnahme 3: D.2 Bombina-Workshop und Qualifizierung von Gelbbauchunken-Coachs
Ein bereits in früheren LIFE-Natur-Projekten in Baden-Württemberg erprobtes und nachhaltiges Instrument im Binnen- und Außenmarketing der NATURA 2000-Ziele sowie von flankierenden Zielsetzungen ist die Ausbildung von Multiplikatoren.
Im Unterschied zu den Naturführern „Oberer Hotzenwald" und „Rohrhardsberg" oder der "Streuobstmultiplikatoren", liegt hier der Schwerpunkt auf der Ausbildung von Teams, die jeweils in einem Landkreis direkt für den Artenschutz aktiv sind.
Eine qualitativ hochwertige und naturschutzfachlich strukturierte Ausbildung der Gelbbauchunken-Coachs schafft die Grundlage für die Umsetzung von Maßnahmen des Vernetzungskonzeptes (A.1) wie die Neuanlage von Laichgewässern und  von Überwinterungsquartieren. Die hohe Qualität in der pädagogischen Umsetzung, sowie die Vermittlung der fachlichen Inhalte in einer verständlichen Exaktheit und die Anleitung zur praktischen Arbeit sind die wesentlichen Grundpfeiler des Erfolges dieser Maßnahme.

Es ist vorgesehen, vier Teams mit je 5-6 Personen in Theorie und Praxis fundiert zu qualifizieren, die vor Ort die Betreuung geeigneter Gelbbauchunkenbiotope übernehmen und langfristig neue Kleinstgewässer und Überwinterungsverstecke sichern können.

Gleichzeitig sollen die kreisweiten Umsetzer-Teams nach ihrer Ausbildung in der Lage sein, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für die Gelbbauchunken auf regionaler Ebene zu leisten. Für einen Transfer als good-practice stehen die Teamer auf Anfrage nach Abschluss der Maßnahme zur Verfügung.
Es ist vorgesehen, in jedem Landkreis ein Team aufzustellen, das entsprechend ausgerüstet (z.B. T-Shirt mit Unkenfärbung, Caps) und im Rahmen einer Fachveranstaltung in der Öffentlichkeit eingeführt wird.
Für die nächsten Jahre wird innerhalb des LIFE-Projektzeitraums ein Budget eingerichtet, welches den Managern die Umsetzung kleinerer Artenhilfsmaßnahmen auf Gemeindeebene erlaubt.

Die potentiellen Teilnehmer haben bereits eine Berufsausbildung und möchten sich aktiv für den Schutz der Gelbbauchunke einsetzen. Deshalb bieten wir eine Weiterbildung in modularem Aufbau an.

Nach der Ausbildung in 56 UE werden die Gelbbauchunke-Coachs in einer öffentlichen Veranstaltung als Naturschutzwarte durch die jeweilige untere Naturschutzbehörde bestellt und sind damit für ihre Tätigkeit auch versichert und in bestehende Strukturen integrieren.


Gelbbauchunke Alttier Foto: H. Laufer       Gelbbauchunken Foto: H. Laufer

Pressemitteilung
Infoflyer (PDF) 
Stundenplan der Gelbbauchunkencoachs (PDF)

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