Projekt Felslehrpfad

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Projekt Felslehrpfad


Juli 2007: Erster Felslehrpfad Baden-Württembergs im Donautal eröffnet




Gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum Obere Donau und gefördert durch das LEADER plus Programm der Europäischen Union haben die Gemeinde Inzigkofen und die Stadt Sigmaringen im Donautal einen Felspflanzenlehrpfad eingerichtet, der sich insbesondere an Kletterer wendet und Informationen über die Bedeutung der Felslebensräume dort gibt, wo der Sport ausgeübt wird. Die Idee zu diesem Projekt entstand bereits im Rahmen des “Projektes Schaufelsen" (www.projekt-schaufelsen.de) Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des Naturschutzes und der Kletterer machte sich an die Arbeit und präsentierte das Ergebnis im Juli 2007 der Öffentlichkeit.















 Hintergrund des Projekts
Der besondere Reiz des Oberen Donautals wird vor allem durch die zahlreichen, steil aus dem Wald ragenden Felsmassive bestimmt. Neben dem optischen Reiz, den diese Felslandschaften dem Besucher bieten, liegt ihre ökologische Bedeutung in ihrem Potenzial als Lebensraum und Rückzugsgebiet für eine ganz besonders seltene Pflanzenwelt. Hierbei handelt es sich um Pflanzenarten, die eines gemeinsam haben, nämlich die Anpassung an einen harten Lebensraum.

Sie ertragen extreme Standortbedingungen wie Trockenheit, hohe Temperaturschwankungen und Nährstoffarmut des Untergrundes besser als ihre Konkurrenten aus der Umgebung und können so erfolgreich auf Felsköpfen, in Felsspalten und anderen Felsbereichen siedeln. Eine botanische Besonderheit des Oberen Donautals sind die so genannten Reliktarten, die als Zeugen aus verschiedenen Klimaepochen (Eiszeiten oder Warmzeiten) in den Felslebensräumen bis heute erhalten geblieben sind. Es sind Arten, deren Hauptverbreitungsgebiete heute zum Beispiel in den Alpen oder im Mittelmeerraum liegen.

Auch viele seltene und gefährdete Tierarten besiedeln und besuchen die Felsbiotope, sei es als Brutstätte, als Winterquartier oder zur Nahrungssuche. Selbst die auf den ersten Blick so lebensfeindlich wirkenden glatten Felswände beherbergen eine Reihe von Spezialisten. Die Mischung verschiedenster Florenelemente und Kleinbiotope und die daraus resultierende hohe Artenvielfalt machen die Felslebensräume des Oberen Donautals so einmalig.

Verschiedenste Faktoren wie Umwelteinflüsse, Nutzung durch Wildtiere (Gämsen) oder Freizeitnutzungen (Wandern, Klettern, Mountainbiken), können die schützenswerten Bereiche negativ beeinflussen. Umso wichtiger ist es, menschliche Nutzer möglichst umfassend über die Besonderheiten des Lebensraumes zu informieren, damit sie in die Lage versetzt werden, bei ihren Aktivitäten größtmögliche Rücksicht auf den Naturraum zu nehmen.


Umsetzung
Die Idee, einen Lehrpfad für die Besucher des Donautals - und ganz besonders für die Kletterer - zu konzipieren, der die Möglichkeit bietet, Informationen über die Bedeutung der Felslebensräume dort zu erhalten, wo der Sport ausgeübt wird, entstand im Rahmen des „Projektes Schaufelsen“.

www.projekt-schaufelsen.de

Im Frühjahr 2006 fand sich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Kletterer (Deutscher Alpenverein, Arbeitskreis Klettern und Naturschutz Oberes Donautal als Vertreter für die Kletterverbände im Donautal) und des Naturschutzes (NABU, Naturschutzzentrum) zusammen, die die Idee konkretisierte.Ergebnis der Besprechungen der Arbeitsgruppe war die Grundidee zur Ausarbeitung des im Juni 2007 fertiggestellten Lehrpfades am Aussichtsfelsen.

Die unmittelbar an den Aussichtsfelsbereich angrenzende Gemeinde Inzigkofen begeisterte sich schnell für das Projekt und setzte es mit großem Engagement um. Die Stadt Sigmaringen ermöglichte den Aufbau des Lehrpfades auf städtischer Fläche. Das Naturschutzzentrum Obere Donau betreute im Auftrag der Gemeinde Inzigkofen die Umsetzung des Projektes und führte die grafische Ausarbeitung durch. Mit der inhaltlichen Ausarbeitung wurde Dr. Wolfgang Herter als Kenner der Felsvegetation des Oberen Donautals beauftragt.

Möglich wurde die Umsetzung aber erst, nachdem die finanzielle Unterstützung durch die LEADER-Aktionsgruppe Oberschwaben (aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Baden-Württemberg), durch die Stiftung der Landesbank Baden-Württemberg (Natur und Umwelt) und durch die Landesbank Kreissparkasse Sigmaringen zugesagt worden waren.

Parallel zur Ausarbeitung des Felslehrpfades wurde in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Felsengarten aus Irndorf ein Faltblatt zum dortigen Felsengarten erstellt, auf das beim Felslehrpfad hingewiesen wird. Auf diesem Wege wird eine erste Vernetzung des Projektes über die Landkreisgrenze hinaus erreicht. Der gut besuchte Felsengarten in Irndorf stellt eine Reihe von Pflanzen der Felslebensräume in natura vor. Er ist damit eine ideale Ergänzung des Felslehrpfades.

Ein Lehrpfad unter Einbeziehung von Kletterrouten durch Felswände hindurch ist ein Novum und wurde hier erstmals installiert. Er stellt gleichfalls eine konsequente Fortsetzung der zuneh-mend guten Zusammenarbeit zwischen Kletterern und Naturschützern dar, die durch das gemeinschaftlich erarbeitete Schaufels-Projekt begonnen wurde. Der Lehrpfad wurde an exponierter Stelle und direkt an einem Wanderweg installiert. Auf diese Weise sollen Kommunikation und gegenseitiges Verständnis der verschiedenen Natursportler gefördert werden.

 
Naturschutzzentrum Obere Donau

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