Rheinniederung

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Rheinniederung

Rheinniederung zwischen Au am Rhein, Durmersheim und Rheinstetten

Kreis: Rastatt/Karlsruhe
Gemeinde, Gemarkung: Gemeinde Au am Rhein, Gemarkung Au am Rhein; Gemeinde Durmersheim, Gemarkungen Durmersheim, Würmersheim/Stadt Rheinstetten, Gemarkungen Mörsch, Neuburgweier
Fläche: 261,0 ha
Verordnungsdatum: 15.07.1994
Erweiterung des bereits am 13.12.1979 ausgewiesenen Naturschutzgebietes "Federbachniederung"
LfU-Nummer: 2.181
Naturraum: 222 Nördliche Oberrhein-Niederung
TK(25) Nr.: 7015


Rheinniederung LuftbildIn der Rheinaue zwischen Rastatt und Karlsruhe liegt die Wiesenlandschaft der Federbachniederung. Wie ein Fünfeck umgeben die Orte Au am Rhein, Neuburgweier, Mörsch, Durmersheim und Würmersheim das Gebiet beiderseits der alten Mäander. Auf der Höhe dieser Dörfer verließ der Rhein hier ursprünglich die rasch fließende Furkationszone mit ihren zahlreichen Flußarmen und trat in die langsamer fließende Mäanderzone ein. Bis zu den Tulla´schen Schlingendurchstichen strömte er durch die Schlingen, die heute nur noch den Federbach und seine Zuläufe aufnehmen. Auch die einst alles beherrschenden Überflutungen sind seit dem Bau der Hochwasserdämme in der Rheinniederung ausgeblieben, so daß sie heute zwar niemand mehr fürchten muß, der größte Teil der Aue sich aber zur Altaue gewandelt hat. Das trifft auch für das Schutzgebiet zu. Die Pegelschwankungen des Rheins bestimmen die Grundwasserspiegel jedoch weiterhin, wenn auch gedämpft.

Geblieben ist eine Landschaft im Hinterland der Dämme, die von großen Wiesen dominiert wird. Mit über 40 Hektar Fläche gehören die zusammenhängenden Wiesen zwischen Wäldchen, Äckern und Gewässern heute zu den Seltenheiten in der Oberrheinebene. Ausgedehnte Wiesen prägten bis zur Mitte des Jahrhunderts fast ausschließlich das Gebiet. Diese Fluren werden durch zahlreiche Natur- und Landschaftsschutzgebiete (weitere 289 ha) geschützt, die ihrerseits einen beinahe geschlossenen Komplex bilden.


Schutzzweck laut Verordnung:

Erhaltung und Entwicklung des Federbaches und seiner Aue in einer alten Rheinschlinge einschließlich seiner naturnahen Vegetation von nässeliebenden bis hin zu extrem trockenheitsangepaßten Gesellschaften (Relikte ehemals ausgedehnter Pfeifengras-Wiesen und Sandrasen), der regional bedeutenden Vogelarten und Insekten sowie fast aller heimischen Amphibienarten (bedeutendes Laubfrosch-Vorkommen).

Kernstück ist das alte Naturschutzgebiet "Federbachniederung", das die Wiesen beiderseits der alten Rhein- und heutigen Bachbögen umfaßt und nach Osten den gut erhaltenen Teil der Randsenke und der Hochgestadekante einschließt, die natürliche Begrenzung der nacheiszeitlichen Rheinaue. Die Terrassenkante ist hier bis zu 9 m hoch und mit einem kleinen, aber artenreichen Hainbuchenwald bewachsen. An ganz wenigen, unbewaldeten Stellen am Rande des Hochgestades überdauerten kleine Reste von trockenen Sandrasen, die heute zu den seltensten Biotopen zählen. Diese unscheinbaren Flecken sind außerordentlich reich an Blütenpflanzen und Insekten, die sonst nirgends mehr zu finden sind. Sie entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte aufgrund von Beweidung, Aushagerung und kleinräumigen Trittschäden und bereicherten ihr Artenspektrum durch zuwandernde Arten wärmerer Regionen. Mit der Zeit werden sie von Bäumen, Sträuchern und anderen konkurrenzkräftigeren Arten überwachsen. Ohne Pflege, die mit einfachen Mitteln die ursprünglichen Verhältnisse wiederherstellt, welche zu ihrer Entstehung führten, würden diese Sandrasen-Reste bald verschwinden.
Rheinniederung Gewässer Biesel
Die Randsenke unterhalb des Hochgestades hat anmoorige, nasse und kalkarme Böden. In den vierziger und fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie als Wiese und Weide genutzt und war noch reich an Wiesenbrütern wie dem Großen Brachvogel. Heute ist die Randsenke bewaldet, oder Großseggen-Riede und Röhrichte haben sich auf den nassen Standorten eingestellt.

Trockene und magere, dafür aber um so artenreichere Streuwiesen finden sich im Inneren des Gebietes. Sie sind weit über 100 Jahre alt und als stromtaltypische Pfeifengras-Wiesen überaus schützenswert. Zwischenzeitlich umgebrochene Wiesen wurden seit 1988 mit Hilfe eines Extensivierungsprogrammes wieder in Wiesen zurückverwandelt und durch Hecken und Obstbaumreihen ergänzt. Sie werden, ebenso wie die alten Streuwiesen, von den Störchen der Aufzuchtstation bei Neuburgweier gerne zur Nahrungssuche angenommen. Eine reiche Insektenwelt gibt es aber nur dort, wo sie einige Jahrzehnte Zeit zur Besiedlung hatte; in den neuen Wiesen wird dies noch eine Weile dauern.

Den Federbach baute man schon um 1800 zum Federbachkanal aus, sein Lauf wurde mehrfach verändert und 1932 noch einmal tiefergelegt, wodurch das Grundwasser weiter sank. Im südlichen Teil seines ehemaligen Bettes fließt heute der Kunzenbach. Die abgesenkten Grundwasserstände erlaubten schließlich auch andere Formen der Landnutzung, und so ziehen heute Sportanlagen, ein Modellflugplatz und Reiterhöfe viele Besucher in das Gebiet. Bau- und Gewerbegebiete jüngeren Datums grenzen an das Schutzgebiet an.

Dennoch haben sich hier 103 Vogelarten angesiedelt, eine beachtliche Zahl für die Altaue. Eine der größten Populationen des Laubfrosches in Baden-Württemberg sowie das Vorkommen fast aller anderen in Baden-Württemberg heimischen Amphibienarten belegen nachdrücklich die Schutzwürdigkeit des Gebietes.

Besucherhinweise:
Um zur Storchenaufzuchtstation zu gelangen, bietet sich der Fahrweg zwischen Bach und Autohaus am Ortseingang Neuburgweier an, vorbei am Tennisplatz über den Sommerdamm. Auf Höhe des Trinkwasserbrunnenhauses sieht man das Nest durch die Hecke des Dammes; hier steht auch eine Informationstafel. Besucher müssen auf den Wegen bleiben, denn die Störche sind ungewöhnlich empfindlich und fliegen schnell auf. Fahren dürfen auf den Wegen nur Landwirte und Radfahrer. Reiter müssen eigens gekennzeichnete Reitwege nehmen. Modellboote dürfen auf den Gewässern nicht benutzt werden. Über den Nordteil gibt die Farbkarte "Biotopvernetzung in der Rheinstettener Rheiniederung" der Gemeinde und der BNL Karlsruhe detailliert Auskunft; ein Faltblatt über das gesamte Naturschutzgebiet erscheint 2000.

Hinweise für Angler:
Vom 1. März bis zum 30. Juni darf nicht geangelt werden. Tierwelt und Vegetation der Ufergehölze und Röhrichte dürfen nicht gestört werden, und Fischbesatz ist nur mit heimischen, natürlich vorkommenden Arten erlaubt.

Besonderer Pflege bedürfen die wertvollen Pfeifengras-Wiesen, Halbtrockenrasen und Sandrasen. In Rheinstetten übernimmt die Stadt diese Aufgabe in vorbildlicher Weise.


 
Naturschutzzentrum Karlsruhe

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