Altrhein Maxau und Burgau

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Altrhein Maxau und Burgau


Stadt: Karlsruhe
Gemarkung: Karlsruhe
Fläche: 289,0 ha
Verordnungsdatum: 02.11.1989
LfU-Nummer: 2.122
Naturraum: 222 Nördliche Oberrhein-Niederung
TK(25) Nr.: 6915, 6916


Altrhein Maxau und Burgau Knielinger SeeDas südwestlich von Knielingen im Stadtkreis Karlsruhe gelegene Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Burgau" umfaßt die typischen Elemente einer Flußaue der Mäanderzone. Es reicht vom Rheinufer im Westen bis zur Erosionskante des Hochgestades im Osten. Noch heute prägen drei Altrheinschlingen, in denen Teile der Alb und des Federbachs verlaufen, das Gebiet. Sie zeugen von einer Zeit, als der ungebändigte Rhein durch den Oberrheingraben floß. Sein Bett war mehrere Kilometer breit und von Kiesbänken durchsetzt. Die Wassermassen formten die Aue ständig um: Flußmäander wurden dabei vom Hauptstrom abgetrennt, Altwasser, Schotter- und Schlickbänke sowie nur zeitweise existierende Druckwassertümpel, Schilf-Röhrichte und Niedermoore bildeten sich aus. Die teilweise alpine Herkunft der Gerölle wird durch den Kalkreichtum und rote Radiolarite angezeigt, die als Kiesel zu finden sind. Im Jahre 1817 begann mit dem Knielinger Durchstich die Begradigung des Rheins nach den Plänen des Wasserbauingenieurs Tulla, dessen Denkmal sich am Rande der Maximiliansau unweit des Rheinhauptdamms im Naturschutzgebiet befindet. Zum Schutz vor Hochwasser wurden nach und nach alle Rheinschlingen durch ein geradliniges Flußbett verbunden, so daß sich die Länge des Rheins und somit auch die Abflußzeit des Wassers drastisch verkürzten. Schon vor der Rheinkorrektion waren die Wälder forstlich genutzt und beweidet sowie einige Flächen als Wiesen gemäht worden. Erst mit den Dämmen war aber Hochwassersicherheit gegeben, und es eröffneten sich völlig neue Möglichkeiten der Landnutzung: Es wurden Äcker und Streuobstwiesen angelegt, neue Baumarten gepflanzt, Straßen und Siedlungen gebaut und der Kiesabbau ausgedehnt. Die Burgau befindet sich zum größten Teil in der sogenannten Altaue, die seit Tulla durch die Rheindämme von regelmäßigen Hochwässern weitgehend abgeschnitten ist. Diese Kulturlandschaft in ihrer gegenwärtigen Form ist erst rund 180 Jahre alt. Viele zuvor in der Aue nicht überlebensfähige Tier- und Pflanzenarten konnten nach dem Dammbau einwandern. Auenähnliche Bedingungen mit wechselnden Wasserständen und eine Umlagerung von Geröllen und Sedimenten sind heute noch am Rheinufer nahe der Schiffsmeldestelle im Südwesten des Gebiets zu beobachten, ferner im Mündungsgebiet des Federbachs in den Knielinger See und am Rande der Alb auf den bei Hochwasser oft überschwemmten Albwiesen im Norden.

Schutzzweck laut Verordnung:
Erhaltung und Pflege eines durch den Rhein geprägten Landschaftsraumes der Jung- und Altaue mit einer Vielzahl verschiedener natürlicher und naturnaher Biotoptypen wie Feuchtbiotope mit offenen Wasserflächen, Schwimmblattzonen, Röhricht- und Flachwasserzonen, Steilufer, Riede, Tümpel, Gräben, Feuchtwiesen, Wiesengesellschaften, Streuobstwiesen, Ackersaumgesellschaften, Gebüsche, Hecken, Waldbiotope, Trocken- und Ruderalstandorte sowie Rohbodenbiotope als Lebensraum zahlreicher spezialisierter und gefährdeter bis vom Aussterben bedrohter Pflanzen- und Tierarten.

Aufgrund seiner wichtigen Funktion für durchziehende und überwinternde Vögel, einerAltrhein Maxau und Burgau Feuchtwiese Ackerheck hohen Zahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten und vieler in Europa im Rückgang begriffener Lebensräume ist das Natur- und Landschaftsschutzgebiet von landesweiter Bedeutung. In der Überflutungsaue vor dem Rheindamm, am Rande des Altrheinarms und im Mündungsbereich des Federbachs kommen noch Silberweiden-Auenwälder vor. Im Unterwuchs finden sich die Nesselseiden-Zaunwinden-Bestände, Rohrglanzgras-Röhrichte und Kratzbeeren. Die Wälder der Altaue wurden in früherer Zeit intensiv als Mittelwälder genutzt, so daß sich auf trockeneren Standorten Sternmieren-Hainbuchen-Wälder mit der Stiel-Eiche ausbilden konnten. Im Gewann "Ackerheck" ist ein solcher, etwa 140 Jahre alter Bestand zu sehen, in dem auch über 20 m hohe und über 50 cm dicke Feld-Ahorn-Bäume anzutreffen sind. Klein- und Mittelspechte profitieren von den mächtigen Alteichen. Im Unterwuchs gedeiht als Schmarotzer an Hasel und Schwarz-Erle die rosa gefärbte Schuppenwurz. Die Wälder der Hartholz-Aue sind in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung kaum mehr vorhanden. In den letzten Jahrzehnten wurden Berg-Ahorn, Spitz-Ahorn und Vogelkirsche gepflanzt. Bestände der wenig hochwassertoleranten Buche südlich des Knielinger Sees markieren den Wendepunkt im Wasserregime und die Abgrenzung der jetzigen Altaue.
Schilf-Röhrichte und Großseggen-Riede sind im Schutzgebiet in beachtlicher Ausdehnung vertreten, handelt es sich dabei doch um verlandete Altarme des Rheins. Im etwa 16 ha großen Schilfbestand südlich des Gewanns "Kirchau" suchen störungsempfindliche Vogelarten Schutz für ihr Brutgeschäft. Teichrohrsänger, Sumpfrohrsänger, Rohrammern und Rohrweihen wurden hier beobachtet. Innerhalb der großen Sümpfe dienen Kleingewässer dem vom Aussterben bedrohten Moorfrosch als Vermehrungsort.

An Steilufern des Knielinger Sees nisten Uferschwalben und Eisvögel in selbstgegrabenen Höhlen. Die Eisvögel können im Winter auch oft an der eisfreien Alb beim Fischfang beobachtet werden. Tausende von Wasservögeln nutzen den Knielinger See, Federbach, Altrhein und die offenen Wiesen als Rast- und Überwinterungsplatz. Lebensräume mit sandig-offenem Boden im Uferbereich bieten sich spezialisierten Pflanzen und Tieren als Lebensraum an. In fast unbewachsenen, sonnigen und flachen Stillgewässern vermehren sich der Laubfrosch sowie die Kreuz- und die Wechselkröte. Sie zählen zu den ursprünglich in der Aue beheimateten Arten und besiedeln aufgrund der Flußdynamik neu entstandene Gewässer.

Natürliche Trockenstandorte befinden sich auf höherliegenden Kiesrücken innerhalb des Waldes, den sogenannten Brennen. Auf ihnen wachsen die Fieder-Zwenke und Zypressen-Wolfsmilch als Charakterarten kalkreicher Magerrasen. Durch menschlichen Einfluß geschaffene Trockenbiotope liegen am Rande des Knielinger Baggersees, auf den Hochwasserdämmen und am Bahndamm im Norden des Gebiets. Hier leben seltene Wildbienen, wie die Köhler-Sandbiene, und bedrohte, an offene Bodenstellen gebundene Heuschreckenarten: Grüne Strandschrecke, Blauflügelige Sandschrecke und Blauflügelige Ödlandschrecke. Der Echte Haarstrang, eine gefährdete Art der großen Flußtäler, kommt auf den trockenen bis wechselfeuchten Standorten vor.

Streuobstbestände und Tiefland-Glatthafer-Wiesen kennzeichnen weite Bereiche der Burgau. Alte Apfel-, Kirsch- und Birnbäume bieten hier dem Grünspecht günstige Nistmöglichkeiten. In der von dornigen Feldgehölzen untergliederten Landschaft ist der Neuntöter noch relativ häufig - zugleich ein Beleg für die reichhaltige Insektenwelt, von der er sich hauptsächlich ernährt. Auf vielen Flächen wird heute Ackerbau betrieben. Nur wenige, besonders feuchte Parzellen mit blütenreichen, mageren Wiesen wurden in den letzten Jahrzehnten nicht umgebrochen. Sie sind besonders geschützt, dürfen lediglich zweimal im Jahr gemäht und nicht mit Gülle oder Schwemm-Mist gedüngt werden. Bei der forstwirtschaftlichen Nutzung der Wälder sollen die Pappelforste nach ihrer Hiebsreife, in standortgemäße Silberweiden-Wälder umgewandelt werden, die man ihrerseits dann der Natur überläßt oder nur sehr extensiv bewirtschaftet. Wo möglich, sollen heimische Weiden und die selten gewordenen Schwarz- und Silber-Pappeln als typische Baumarten der Rheinaue gefördert werden. Ein Entwicklungsziel im Gebiet besteht schließlich darin, alle Nadelholzkulturen langfristig in naturnahe Waldgesellschaften umzugestalten. Durch die Ausweisung als Naturschutzgebiet konnten ökologisch wertvolle Lebensräume am Rande der Stadt Karlsruhe für Menschen, Tiere und Pflanzen erhalten werden.


Besucherhinweise:
Informationstafeln empfangen den Besucher an verschiedenen Stellen im Gebiet. Eine schöner Rundweg führt vom Albhäusle im Nordosten vorbei an dem großen Schilfgebiet in Richtung Westen durch Streuobstbestände auf den Damm am Rande des Knielinger Sees und zurück nach Nordosten zum Ausgangspunkt. Der Knielinger See kann mit dem Fahrrad auf bequemen Wegen umrundet werden. Vom Weg aus ist am Nordostufer ein Blick zur Graureiher- und Kormorankolonie auf der Entenfang-Insel möglich. Eine Informationsbroschüre zum Gebiet ist bei der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Karlsruhe kostenlos erhältlich.

Hinweise für Angler:
In dem ökologisch wertvollen Gebiet hat die Natur Vorrang, weshalb auch beim Angeln und Bootfahren bestimmte Regeln eingehalten werden müssen. Am Federbach kann auf abgegrenzten Uferbereichen vom 1. August bis zum 30. März geangelt werden. Angelberechtigte können genauere Informationen zum erlaubten Angelbereich am Federbach bei der Stadt Karlsruhe erhalten.


 
Naturschutzzentrum Karlsruhe

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