Altrhein Neuburgweier

Autorenumgebung laden ... 

Altrhein Neuburgweier


Kreis: Karlsruhe
Gemeinde, Gemarkung: Stadt Rheinstetten, Gemarkung Neuburgweier
Fläche: 121,0 ha (2 Teilgebiete)
Verordnungsdatum: 16.05.1988
LfU-Nummer: 2.109
Naturraum: 222 Nördliche Oberrhein-Niederung
TK(25) Nr.: 7015


Luftbild Altrhein NeuburgweierIm Süden von Karlsruhe erstreckt sich zwischen dem Waldgebiet Kastenwörth und der Ortschaft Neuburgweier eine Auenlandschaft, die im Westen vom Rhein und im Osten vom Haupthochwasserdamm begrenzt wird. Hinter dem Hochwasserdamm breitet sich die Altaue mit Schluten und Rinnen des Federbachs bis zur Randsenke aus. Der Rhein floß hier vor der Tulla'schen Begradigung in einer S-förmigen Schleife, die auf der Höhe von Neuburgweier begann und sich bis nach Berg und Maximiliansau hinüberzog. Bereits 1810 erfolgte ein Durchstich, der zwei Altrheinbögen zurückließ. Der Altrhein bei Neuburgweier war bis ins 20. Jahrhundert hinein mit dem Hauptstrom verbunden, wurde dann aber durch den Haupthochwasserdamm abgetrennt. Trotzdem steigt sein Wasserspiegel auch heute noch bei Hochwasser durch das Druckwasser des Rheins. Der größte Teil des Altrheines wurde in den sechziger und siebziger Jahren ausgekiest. Hätte die Naturschutzverwaltung nicht massiv Einspruch erhoben, befände sich hier jetzt ein Wassersportzentrum mit Regattastrecke. So aber blieb ein Stück auentypische Landschaft mit Schluten, Rinnen und feuchten Senken, Wasserpflanzen-Gesellschaften, Röhrichten und Wäldern erhalten. 1988 gelang es mit Unterstützung der Gemeinde Rheinstetten, den überwiegenden Teil des alten Rheinbogens unter Naturschutz zu stellen.



Schutzzweck laut Verordnung:

Erhaltung und Förderung eines ehemaligen Altrheinarmes der beginnenden Mäanderzone mit Wasserpflanzen-Gesellschaften und Verlandungsflächen sowie der in der Überflutungsaue liegenden Weich- und Hartholzauenstandorte und verschiedener naturnaher Sekundärbiotope mit reichen Schwimmblatt-Gesellschaften, Röhrichten und Gehölzen als Lebensraum zahlreicher gefährdeter Pflanzen- und Tierarten.

Im Rheinvorland gibt es heute noch eine Überflutungsaue mit Silber-Weiden und Reste eines Eichen-Ulmen-Waldes auf den höherliegenden Flächen. Stellenweise ranken Waldrebe und Efeu über die Gehölze. Allerdings hat man in der Vergangenheit auch Pappeln gepflanzt, die mittlerweile hiebreif sind. Im Frühsommer bilden Wasser- und Echte Brunnenkresse ein wahres Blütenmeer in den Senken. Auch hinter dem Haupthochwasserdamm stehen noch Reste des Eichen-Ulmen-Waldes auf Flächen, die immer wieder von Druckwasser überstaut werden. In trockeneren Bereichen treten Rotbuchen, Wald-Kiefern und Hänge-Birken auf. Schon 1987 wies die Forstverwaltung hier einen Schonwald aus mit dem Ziel, standortheimische Bäume und Sträucher der Weich- und Hartholzaue zu erhalten und zu fördern. Im Norden des großen Baggersees ist noch ein rund 500 m langes Teilstück des Altrheins erhalten. Eine schmale, mit Weiden bestockte Landzunge trennt die beiden Gewässer voneinander. Das Westufer des Althreins und die angrenzende Waldfläche wurden ebenfalls zum Schonwald erklärt. An den Ufern des Altrheins wächst Schilfröhricht, stellenweise durchsetzt mit Breitblättrigem Rohrkolben. Großseggen-Riede mit Sumpf-Segge und Steifer Segge und Herden des Pfeifengrases leiten zum nahen Auenwald über. Wie in den Senken des Rheinvorlandes kommen auch hier schützenswerte Pflanzenarten vor: zum Beispiel Sumpf-Wolfsmilch, Kanten-Lauch, Wiesen-Alant und Schlammkraut. Besonders hervorzuheben ist die Wassernuß, die in der Vergangenheit bis zu 2,5 ha große Pflanzenteppiche auf dem Altrhein gebildet hat. Diese Schwimmpflanze, deren Blattrosetten im Juni erscheinen, ist auf flache sommerwarme Altrheinarme angewiesen.

Der Altrheinbogen ist umgeben von einer kleinteilig strukturierten Niederung mit Wiesen und Äckern, hochstämmigen Obstbäumen und Hecken, feuchten Senken und Schluten. Auf einem großen landeseigenen Grundstück ließ die Naturschutzverwaltung vor einigenAltrhein Neuburgweier Lettenlöcher Jahren Obstbäume pflanzen, die regelmäßig gepflegt werden. In das Schutzgebiet einbezogen wurde der Tankgraben - auch Panzergraben genannt. Er ist ein Überrest des vor und während des Zweiten Weltkrieges angelegten Westwallsystems und hat sich mittlerweile zu einem naturnahen Gewässer entwickelt. Auf den Grabenböschungen stehen hochwüchsige Silber-Weiden, Pappeln und Schwarz-Erlen. In dem träge fließenden, sommerwarmen Wasser wachsen Wasserstern, Hornkraut, Seerosen und Wasserlinsen. An den Ufern findet man schmale Röhrichte aus Wasserschwaden mit Gelber Schwertlilie und verschiedenen Seggenarten. Der Tankgraben kreuzt im Westen des Neuburgweirer Altrheins ein Feldgehölz, das sich am Fuße des Sommerdammes in einem längst verlandeten Altarm des Rheins entwickelt hat. Stiel-Eichen, Feld-Ulmen, Eschen, Schwarz-Pappeln und zahlreiche Sträucher verleihen diesem Gehölz eine auentypische Erscheinung. Sie sind stellenweise von Waldreben mit bis zu armdicken Lianen überwuchert. Am Ortsausgang Neuburgweiers in Richtung Au am Rhein befindet sich unmittelbar neben der Ortsverbindungsstraße eine Tongrube, in der Gegend auch "Lettenlöcher" genannt. Nach Aufgabe des Tonabbaus hat sie sich zu einem wertvollen Feuchtgebiet mit offenen Wasserflächen und Röhrichten aus Schilf und Breitblättrigem Rohrkolben entwickelt. Viele Amphibien laichen hier ab, auch der seltene Laubfrosch, der Springfrosch und der Kammmolch. 1990 wurde am Ortsausgang Neuburgweiers eine Amphibienleiteinrichtung gebaut, als Ausgleich für einen Fahrbahnteiler. Die Leiteinrichtung mit Amphibienzaun wird von Mitgliedern des Rheinstettener BUND betreut.

Die vielgestaltige Landschaft des Neuburgweirer Altrheins bietet nicht nur den Amphibien, sondern auch vielen anderen Tieren Brutplätze und Nahrung. Schellenten, Krickenten, Tafelenten, Flußuferläufer, Fischadler, Graureiher und Eisvögel nutzen den Baggersee, den Altrhein und deren Ufer als Rastplatz und Nahrungsrevier. Der Eisvogel gräbt in die Steilufer am Prallhang des Altrheins seine Brutröhren. Auf dem Altrhein brüten Zwergtaucher und in den angrenzenden Röhrichten auch Rohrammern und Teichrohrsänger. In den deckungsreichen ehemaligen Weich- und Hartholzauenwäldern leben Klein- und Mittelspecht, Turteltaube, Weidenmeise, Nachtigall und Pirol. In den Gehölzen entlang des Tankgrabens und des Sommerdammes sowie in den benachbarten Obstbaumwiesen brüten Dorngrasmücke, Neuntöter und Wendehals. Eine besondere Augenweide sind die farbenprächtigen Libellen an den Gewässern und die bunten Schmetterlinge entlang der blütenreichen Hochwasserdämme.

Die Gemeinde Rheinstetten versuchte in den siebziger und achtziger Jahren den ausufernden Freizeitbetrieb am Baggersee zugunsten einer sanften Naherholung einzudämmen. Bereits 1985 regelte sie den Freizeitbetrieb per Polizeiverordnung und unterstützte die Naturschutzverwaltung bei dem Schutzgebietsverfahren. Mit Ausweisung des Naturschutzgebietes wurde das Surfen und Segeln auf dem Baggersee verboten und der Segelverein an ein nahegelegenes Gewässer "umgesiedelt"; der Badebetrieb wurde auf einen Abschnitt im Südwesten des Sees begrenzt. Den Sportfischern wies man bestimmte Angelzonen und Bootsanlegestellen zu und den Kanufahrern eine bestimmte Wanderstrecke abseits des Sees und des Altrheinarmes. Das Forstamt befestigte das Seeufer und forstete das ehemalige Abbaugelände wieder auf. Die Naturschutzverwaltung ließ zwei Beobachtungsplattformen am Seeufer errichten, und die Gemeinde stellte drei Schautafeln zur Information der Bevölkerung auf. Vergleicht man den heutigen Freizeitbetrieb mit demjenigen vor zwanzig Jahren, so wird deutlich, daß trotz einiger Zuwiderhandlungen das Ziel erreicht wurde. Einen herben Rückschlag verursachte allerdings ein Landtagsbeschluß aus dem Jahre 1997, der den Karlsruher Kanuten nach jahrelangen Protesten wieder die Zufahrt zum Baggersee über den Altrhein erlaubte, um dort, in einem abgegrenzten Bereich, Übungen durchzuführen. Sämtliche Ausweichangebote, die das Landratsamt den Kanuten zuvor unterbreitet hatte, waren kompromißlos zurückgewiesen worden. Selbst die Polizeiverordnung der Gemeinde Rheinstetten, die das Kanufahren auf dem See verbot, wurde zwangsweise aufgehoben. Der Naturschutzverwaltung bleibt nun die schwierige Aufgabe, durch begleitende Untersuchungen zu prüfen, ob die Wiederaufnahme des Kanusports die Entwicklung der Pflanzen- und Tierwelt beeinträchtigt. Auch die Planungen zur Rheinstaustufe Au/Neuburg sind noch nicht endgültig ad acta gelegt.

Besucherhinweise:
Das Naturschutzgebiet ist von Neuburgweier aus bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Am Zugang im Norden Neuburgweiers sowie am Zugang vom Leinpfad im Westen und am Hochwasserdamm an der Nordgrenze des Gebietes stehen Schautafeln, die auf öffentliche Wege hinweisen. Die genaue Abgrenzung des Naturschutzgebietes ist in einem Faltblatt über die Biotopvernetzung in der Rheinstettener Rheinniederung eingetragen, das die Gemeinde Rheinstetten gemeinsam mit der BNL Karlsruhe herausgegeben hat (erhältlich im Rathaus Rheinstetten). Am Westufer und am Nordostufer des Baggersees wurden Aussichtsplattformen eingerichtet, von denen man gut die Wasservögel beobachten kann. Die Routen des Karlsruher Naturführers "Auenwald" (Faltblatt bei der Stadt Karlsruhe erhältlich) und des deutsch-französischen Radwanderweges "Rheinauen" (Faltblatt beim Landratsamt Rastatt erhältlich) streifen das Naturschutzgebiet. Das Baden ist nur im Süden des Baggersees erlaubt, die Badezone ist deutlich mit Bojen abgegrenzt.

Hinweise für Angler:
Die Sportfischerei ist nur an bestimmten Uferabschnitten erlaubt, die im Gelände und in der Verordnungskarte markiert sind. Zwei in der Verordnungskarte schraffiert gekennzeichnete Wasserflächen dürfen in der Zeit vom 16. November bis 14. September nicht mit Booten befahren werden; die Boote müssen an dem vorgeschriebenen Platz angelegt werden. Kraftfahrzeuge dürfen nur auf dem ausgewiesenen Parkplatz abgestellt werden. Mit Ausnahme des Leinpfades und des Zufahrtsweges zu diesem Parkplatz gilt ein Fahrverbot für Fahrzeuge aller Art (ausgenommen Fahrräder ohne Hilfsmotor und Rollstühle), das auch von den Anglern einzuhalten ist. Die Ufervegetation und die Röhrichte dürfen nicht betreten, befahren, gemäht und beseitigt werden.

Hinweise für Kanuten:
Das Kanufahren ist nach der Schutzgebietsverordnung nur in einer stromnahen Altrheinschlute im Norden des Schutzgebietes erlaubt (die Strecke ist in der Verordnungskarte entsprechend markiert). Der Petitionsausschuß des Landtages von Baden-Württemberg hat am 5. Februar 1997 allerdings folgenden Beschluß gefaßt: "Die Petition wird der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen mit der Maßgabe, daß die Karlsruher Kanujugend eine probeweise Zufahrt (Durchfahrtbreite von 6 Metern) zum Ferma-See erhält, um für ihren Übungsbetrieb - befristet von Juni bis September - einen abzugrenzenden Bereich im Landschaftsschutzgebiet-Teil des Sees zugewiesen zu bekommen. Die Ausnahmeregelung soll befristet (3 bis 4 Jahre) sein und durch eine Untersuchung (der Auswirkungen auf das Naturschutzgebiet) begleitet werden."


 
Naturschutzzentrum Karlsruhe

Baden-Württemberg: